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In der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR entwickelte sich die
Literatur anders als in den Westgebieten. Hier wurde versucht, politisch
auf die literarische Entwicklung gezielt Einfluss zu nehmen und so einen
antifaschistisch-demokratischen Erneuerungsprozess einzuleiten. Zu
diesem Zweck wurde auch versucht, namhafte Schriftsteller zur
Unterstützung der betreffenden Themen zu gewinnen, wie z.B. Brecht,
Seghers und Zweig.
Mit der Gründung der DDR wurde auch die Literatur voll und ganz für die
von der Regierung definierten Ziele des Sozialismus eingespannt. So
entstand nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in der Literatur
der sog. Sozialistische Realismus. Im Mittelpunkt stand hier ein
proletarisches Heldenbild, welches durch besondere Leistungen für das
Gemeinwohl im Sinne des Sozialismus gekennzeichnet war.
1959 wurde der sogenannte Bitterfelder Weg initiiert, bei dem -
politisch angeordnet - aus dem Alltag der Arbeiter heraus Literatur
entstehen sollte. Prominentes Beispiel ist Christa Wolf, die ein
Betriebspraktikum in einem Waggonwerk in Halle absolvierte und dabei
schriftstellerisch tätig wurde. Der Bitterfelder Weg ließ keinen Raum
für Experimente. Parteilichkeit wird ebenso verlangt wie ein hohes Maß
an Allgemeinverständlichkeit. Schon dadurch wird die literarische
Bandbreite stark eingeschränkt.
In den späteren 1960er Jahren war die DDR-Literatur dann vorrangig vom
Alltag geprägt: die Aufbauphase ist auch in literarischer Hinsicht
abgeschlossen, die Schriftsteller beschäftigten sich mit dem
Ist-Zustand, d.h. vor allem mit der Anpassung des Individuums an die
vorgegebenen Bedingungen. Und genau an dieser Anpassung setzen auch
erstmal kritische Stimmen an. Zu nennen sind hier beispielsweise wieder
Christa Wolf, Plenzdorf oder auch de Bruyn.
Anfang der 1970er Jahre wurde von der Politik schließlich die Phase der
'entwickelten sozialistischen Gesellschaft' eingeläutet. Damit kommt
etwas Bewegung in das System und auch die Literatur fand Ansatzpunkte,
die überdeutlich ausgeprägte Bürokratisierung zu kritisieren. In den
späteren 1970er Jahren schließlich nam die Systemkritik einzelner
Schriftsteller zu und es kam, ausgelöst durch die Ausbürgerung des
Liedermachers Biermann, zum öffentlichen Dissens. Es kam zum Exodus
weiterer Künstler, andere blieben und schrieben weiter, zum Teil gegen
erheblichen Widerstand.
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