Im 19. Jahrhundert hat sich die
russische Literatur auf einem vorher und auch später nicht
wieder erreichtem hohen Niveau befunden. Vor allem die
russischen Romane gehörten zum Besten, was zu dieser Zeit in der
Welt geschrieben wurde. Das ist eindeutig auch der Verdienst von
Fjodor M. Dostojewskij, der am 11. November 1821 in Moskau
geboren wurde. Dostojewskijs Leben ist von Höhen und Tiefen
geprägt gewesen, von Leid und von Erfolg, und er hat vieles von
diesen persönlichen Erlebnissen in seine Romane und Erzählungen
einfließen lassen.
Dostojewskij entstammte einer verarmten Moskauer Adelsfamilie.
Als er 16 Jahre alt war, starb seine Mutter, woraufhin die
Familie nach Sankt Petersburg zog. Dort studierte Dostojewskij
vin 1838 bis 1843 Bauingenieurwesen. In St. Petersburg heiratete
er. Von den vier Kindern, die Dostojewskij und seine Frau Maria
bekamen, starben zwei bereits sehr jung. 1846 wurde sein Roman
"Arme Leute" veröffentlicht, und machte den erst
fünfundzwanzigjährigen Schriftsteller sofort berühmt.
Dostojewskij war eine komplexe Persönlichkeit. Trotz des großen
Erfolges seines Buches wurde er zur selben Zeit Mitglied in
einer illegalen revolutionären Vereinigung, den "Petraschewzen".
Man denunzierte ihn, er wurde verhaftet, und zum Tode
verurteilt. Erst, als er schon auf dem Richtplatz stand,
begnadigte ihn Zar Nikolaus I. und seine Strafe wurde in vier
Jahre Zwangsarbeit in Sibirien umgewandelt. In der Verbannung
kam es auch zu seinen ersten epileptischen Anfällen. Die
Erlebnisse während dieser Zeit fanden ihren Niederschlag in dem
1860 erschienen Buch "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus".
Nach seiner Haftentlassung wurde Dostojewskij Offizier, und
schrieb die ebenfalls sehr erfolgreichen Romane "Onkelchens
Traum" und "Erniedrigte und Beleidigte". Von 1862 bis 1865
unternahm Dostojewskij mehrere Reisen nach Europa. Hier trat zum
ersten Mal die ihm in seinen folgenden Jahren ernsthafte
Probleme bereitende Spielsucht zutage, eine Erfahrung, die er in
dem Roman "Der Spieler" von 1866 verarbeitete. 1864 starben
Dostojewskijs Frau und sein Bruder, mit dem er gemeinsam eine
Zeitschrift heraus gegeben hatte. Trotz dieser schweren Zeit
gelingt ihm 1866 der ganz große Wurf mit dem Roman "Schuld und
Sühne". 1867 flieht Dostojewskij wegen hoher Schulden nach
Europa, und lebt in Dresden, Genf und Vevey. 1867 erscheint "Der
Idiot", dessen Held, Fürst Myschkin, aufgrund seiner
christusähnlichen Eigenschaften von der Gesellschaft geächtet
wird. Dostojewskij hat sich in dieser Zeit ebenfalls dem
christlichen Glauben zugewandt, und beginnt mit seiner zweiten
Frau ein bürgerliches Dasein. Weitere Romane erscheinen in der
Folgezeit: "Die Dämonen" und "Die Brüder Karamasow".
Dostojewskij stirbt am 28. Januar 1881 in Sankt Petersburg.