| „Whimsical“ –
also skurril und wunderlich nannte Goethe den Pfarrerssohn Jakob Michael
Reinhold Lenz.
Am 23.01.1751 geboren, besuchte Lenz
als junger Mann in Dorpat, der Stadt, in der er große Teile seiner
Jugend verbracht hatte, die Universität um Theologie zu studieren.
Schon in seinem Studium wandte sich
Lenz mehr und mehr der Dichtung zu. Vorlesungen von Immanuel Kant in
Königsberg brachten ihn dazu, sich wieder seinem Studium zu widmen. 1771
wechselte er – ganz unter dem Einfluss der philosophischen Betrachtungen
von Kant und Roussau – an die Universität Straßburg, wo er mit den
größten Dichtern und Denkern der Zeit zusammen traf. Lenz wurde hier zu
einem inbrünstigen Verfechter des Sturm und Drang.
In Straßburg begann auch Lenz Karriere
als Dichter. Wenngleich er – wie viele seiner Kollegen – durch die
schlechte Zahlungsmoral seiner Auftraggeber immer wieder in finanziellen
Nöten war, schaffte er es 1774 sein erstes und sehr erfolgreiches Drama
„Der Hofmeister“ zu veröffentlichen, in dem er seine Kindheits- und
Jugenderfahrungen aufarbeitet.
Generell sind Lenz Werke durch seine
Kritik am Zeitgeist geprägt. Er sieht, wie seine Kollegen und er selbst,
aber auch das gemeine Volk, zwischen aufklärerischem Gedankengut und
Standesdünkel zerrieben werden und greift das immer wieder in seinen
Stücken und Erzählungen auf. Doch er schrieb nicht nur künstlerische
Werke, auch theoretische Abhandlungen über die großen Gelehrten der
Antike verfasste er in Straßburg. Eine gescheiterte Liebe und die nicht
enden wollende finanzielle Misere bringen ihn letztlich dazu, die Stadt
zu verlassen und Goethe in Weimar zu besuchen. Goethe nahm den Kollegen
wohlwollend auf und Lenz schaffte es in kurzer Zeit, zum Hofdichter in
Weimar zu werden. Doch dieses Engagement war nicht von langer Dauer. Mit
spitzer Zunge stichelte Lenz gegen die Höflinge und musste Weimar
verlassen; Goethe selbst soll hier eine Schlüsselrolle gespielt haben.
Die folgenden Jahre waren geprägt durch Depressionen und „Anfälle“
(vermutlich paranoide Schizophrenie). Lenz verbitterte zusehends. Seine
Freunde versuchten immer wieder vergeblich, zu helfen und ihn aus seinem
Tal der Traurigkeit zu retten. 1777 entstand seine letzte Erzählung „Der
Landprediger“. Seit seinem Scheitern in Weimar wird Lenz mehr und mehr
zum getriebenen seiner eigenen Psyche. Seine Spur verliert sich
schließlich in Moskau, wo Lenz einsam 11 Jahre lang lebte und
schließlich am 23. Mai 1792 starb im Alter von nur 41 Jahren starb.
Trotz der vermutlichen persönlichen Differenzen lässt Goethe auch nach
Lenz Tod noch Teile seiner Werke veröffentlichen und ehrt so einen
seiner größten Anhänger.
Bücher von Jakob Michael Reinhold Lenz
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