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Johann Heinrich Voss
1751 bis 1826
Johann
Heinrich Voss wurde am 20.02.1751 auf dem Land in Sommersdorf bei
Waren/Mecklenburg als Sohn eines Pächters geboren. Da er in ärmlichen
Verhältnissen aufwuchs, war er gezwungen, sich das Geld zum Studium als
Hauslehrer zu verdienen. Durch seine gedrückten Jugendverhältnisse war
er zeitlebens Demokrat und Gegner des Feudalabsolutismus. In Göttingen
findet er dann Aufnahme im "Hainbund", eines 1772 gegründeten
Freundschafts- und Dichterbundes. 1774 Besuch bei Klopstock in Hamburg
und bei den Eltern von Boies in Flensburg. Deren Tochter Ernestine, die
ihm eine treue Weggefährtin wird, heiratete er 1777. Er wird gründlicher
Philologe bei Heyne, gibt in Wandsbek den "Musenalmanach" heraus, wird
Rektor, seit 1782 in Eutin, wo er 20 Jahre wirken kann. Mit der
Übersetzung der weltberühmten "Odyssee" in Hexametern fand er seit 1781
wachsenden Ruhm, ließ 1793 die "Ilias" folgen, Vergils "Über den
Landbau" dann 1789. Inzwischen erprobte er seinen Hexameter an eigenen
Dichtungen: ländliche Idyllen, homerisch gehoben. Nach seiner
Pensionierung 1802 Privatgelehrter von Jena, von Goethe wegen seiner
Kenntnis antiker Metrik geschätzt. Zog 1805 mit einem Ehrensold des
Großherzogs von Baden nach Heidelberg. 1819 wurde der badische Landtag
eröffnet, in welchem der liberalen Partei die Hauptrolle zufiel. Wenn es
sich um praktische Fragen handelte, und es um greifbare Ziele galt,
gewann Vossens Neigung, dem Gegner böse Absicht zu unterschieben, erst
recht Boden.
Johann Heinrich Voss war bekannt als lebenskräftiger, spröder,
eigenwilliger und streitbarer Norddeutscher. Er vergaß bald das
klopstockisierende Pathos seiner Göttinger Lyrik und wurde zum gelehrten
Altertumsforscher, zum Poeten des biederen, behaglichen Bürgertums mit
seinen hexametrischen Idyllen "Der siebzigste Geburtstag" (im Jahre
1781) und als sein biederstes, etwas hausbackenes Stück galt "Luise" im
Jahre 1795, welches ursprünglich aus "Des Bräutigams Besuch" entstand
und Vorläufer von Goethes "Hermann und Dorothea" war. Gern wählte er
Szenen aus vertrautem Leben, und er gab ihnen, als Enkel eines
Leibeigenen, auch einen sozial anklägerischen Ton und die plattdeutsche
Mundart. Der Wille zum naturhaft-wahren Leben schlug bei ihm in eine
bürgerliche Genremalerei mit philiströsem und pedantischem Realismus um.
Seine bleibende Leistung wurde - trotz der offenbaren Künstlichkeit
ihrer deutschen Hexameter und ihres metrischen Rigorismus, der sich
gegen die Betonungsgesetze der deutschen Sprache verging - die
Übersetzung des Homer, deren Popularität seine zahlreichen anderen, zum
Teil mit Hilfe seiner Söhne ausgearbeiteten Übersetzungen antiker
Autoren (Vergil, Ovid, Horaz, Theokrit, Aristophanes, Aischylos) nicht
mehr erreichten. Homer wurde durch Voss volkstümlich und ein deutscher
Besitz. Als Sprecher eines ausgeklügelten, freiheitlichen Luthertums
polemisierte der Heidelberger Professor später heftig gegen die
romantisch-katholische Dichtung (selbst Goethe entwickelte ein mehr als
zwiespältiges Verhältnis zu Voss) und gegen den 1800 vollzogenen
Glaubenswechsel seines Jugendgefährten Graf Friedrich Leopold von
Stolberg. Weil die Romantik um diese Zeit auf allen Gebieten erfolgreich
war, glaubte Voss etwas Gewaltiges zur Rettung von Licht und Vernunft
unternehmen zu müssen und wählte deshalb auch den alten Grafen Stolberg,
um in seiner Person zugleich das "dumpfige Dunkel der Pfäfferei" und
einen alten Feind zu vernichten.
Ungeachtet seines literarischen Wirkens, verdarb sich Voss so "sein
Alter". Er verstarb - nach dem Tode seines geliebten Sohnes - am
29.03.1826.
Wesentliche Werke von Johann Heinrich Voss:
- Homers Odyssee, Übersetzung 1781
- Die 1001 Nacht, Übs. VI 1781 - 1785 (aus dem Französischen)
- Gedichte II, Übs. 1785 - 1795
- Virgils Landbau, Übs. 1789
- Homers Werke, Übs. IV 1793
- Mythologische Briefe, Schr. II 1794
- Luise, Idyll 1795
- Des Virgils ländliche Gedichte, Übs. IV 1797 - 1800
- Verwandlungen nach Ovidius, Übs. II 1798
- Idyllen, 1801
- Sämtliche Gedichte, VI 1802
- Des Horatius Werke, Übs. II 1806
- Shakespeares Schauspiele, Übs. X 1818 - 1829 (mit seinen Söhnen)
- Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier?, Streitschrift 1819
Bücher
von Johann Heinrich Voss
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